Völker - Riloa e Awanilin

*Leben ist Existenz, doch Existenz ist nicht gleich Leben!*
Ályss, Herrin der Schatten

Riloa e Awanilin / Beija Atwb
-Der Orden der Sänger-

Erinnerungen an ein Gespräch
mit Yelıa, Riloa e Awanilin,
von Jcàdhay, Barde

"Der Riloa e Awanilin ist und war eigentlich nie ein Orden, sondern seit je her ein eigenes Volk. Das Volk, aus dem der Riloa hervorging, nannte sich Beija Atwb, und wäre inzwischen ausgestorben, wären nicht unzählige dieses Volkes von ihrem abgeschotteten Leben gewichen, um sich mit anderen Völkern zusammenzutun. Aus dieser Vermischung entstand der Riloa e Awanilin. Doch zunächst mehr zu den Beija Atwb:
Dieses einstmals sehr weit verbreitete Volk wurde auch "Das blinde Volk" genannt, denn sie konnten nicht sehen, nicht schmecken und nicht riechen. Ihr humanoider Körper von tiefblauer Farbe war also ganz auf das Hören und Fühlen angewiesen. Dies führte zu außerordentlich guten Ohren, wenn man es so nennen kann, denn gewissermaßen hörten die Beija Atwb mit ihrem ganzen Körper. Die Welt war Musik für sie. Sie brauchten keine Farben zu sehen, kein Essen zu schmecken, keine Gerüche zu riechen, denn in allem waren Töne enthalten, Töne die sie aufnahmen und verarbeiteten. Ein Beija Atwb bewegte sich meist sicherer in der Welt als jedes andere, sehende Lebewesen, so erzählt man sich unter den Riloa e Awanilin.
So entwickelte sich auch ihre Sprache zu einer wahren Kunst, jedes Wort nutzten sie wie einen kostbaren Schatz, jede Strophe war heiliges Gut. Was für Beija Atwb Sprechen war, war für andere Wesen ein vielfältiger Gesang, doch sangen die Beija Atwb tatsächlich, so war es ein unvergleichliches Entzücken ihnen zuzuhören. Und die Beija Atwb sangen gern!
Doch sie führten ein zurückgezogenes Leben und mischten sich nicht mit anderen Völkern, sodass sie zum Leide aller die sie kannten bald seltener wurden. Man hörte sie nicht mehr offen auf den Straßen singen, und die Feuer ihrer Nachtlager, wenn sie wieder einmal durch die Lande wanderten, verblassten. Das Blinde Volk starb und mit ihnen ihre Musik.
Doch etwa die Hälfte aller Beija Atwb erkannte die Gefahr, und waren nicht gewillt, ihr Volk und ihre Musik sterben zu lassen, denn sie war einzigartig und das wussten sie.
So sammelten sich alle, die fortleben wollten - Es waren nur noch sehr wenige - und riefen alle Barden, Sänger, Musikliebenden und Musikanten die jene unvergleichliche Musik retten wollten auf, sich zu vereinen. Jahre vergingen, die Beija Atwb reisten in alle Kontinente, durchquerten Länder und brachten die Nachricht ihres nahenden Todes in alle Welt. Doch schließlich trafen sie sich wieder, lange Zeit war vergangen, und viele, ja unzählige Musikanten aus aller Welt waren ihnen gefolgt, um mit ihnen zusammen den Riloa e Awanilin zu gründen, den Orden der Sänger. Dies war ein wahrlich großer Schritt für die Beija Atwb, denn es hieß für sie, sich zu öffnen, ihr Leben anderen zu zeigen und es mit ihnen zu teilen. Vorallem aber bedeutete es, die Völker zu mischen. Sie hatten es geschafft, die ganze Welt aufzuwecken und eine Armee aus Künstlern zu formen, auf die nun die ganze Lym sah, eine Ansammlung unzähliger verschiedenster Wesen, wie es sie nie zuvor gab, doch würde das die Musik der Beija Atwb retten?
Wie man sieht funktionierte es. Ich selbst bin eine fast reinrassige Beija Atwb, eine blaue Awanilin, wie man auch zu sagen pflegt, und der Riloa e Awanilin existiert nun schon seit undenkbar langer Zeit.
Die Völker mischten sich damals, und die Beija Atwb des Riloa e Awanilin überlebten, während der Rest ihres Volkes starb und vergessen wurde. Diese Geschichte ist wenigen bekannt, nur die Riloa e Awanilin kennen sie genau. Einige Riloa e Awanilin sind blind, von Geburt an, andere haben bläuliche Haut und wiederrum andere hören ihre Welt mit dem ganzen Körper und können doch mit ihren Augen sehen. Doch ein jeder Riloa e Awanilin trägt das Erbe eines großen, uns unvergessenen Sängers oder einer Sängerin in sich. Wir kennen alle ihre Namen, die der ersten Riloa e Awanilin und der letzten Beija Atwb.
Natürlich verbinden wir vom Orden uns nicht nur mit Sängern oder Barden oder anderen Musikern, sondern durchaus auch mit normalen Bürgern, doch ist dies nicht gern gesehen, denn es schwächt das Erbe der Beija Atwb, und die Macht ihrer Musik in den Nachkommen, aber täten wir es nicht, würde auch der Riloa e Awanilin bald sterben, und die Musik der Beija Atwb wäre unwiederbringlich dahin...
Jemand wie ich allerdings, eine blaue Riloa e Awanilin, die nahezu reinrassig ist, achtet natürlich darauf, wer ihre Nachkommen sind. Ich kann es mir um das Erbe meiner Vorfahren willen nicht erlauben, einen 'Unwürdigen' zu nehmen. Es müsste ein Barde sein, ein guter, würdiger Sänger. Jemand wie du."

Seit diesem Tage ziehen Yelıa und ich gemeinsam durch die Lande. Unsere Tochter ist von Geburt an blind.

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