Religionen

*Wenn unser Glaube stirbt, wird auch die Lym sterben!*
Sprichwort, Bel-Thinill

Die Schöpfungsgeschichte

Am Anfang war nur die Idee. Ein Funke von außergewöhnlicher, nie gesehener Brillianz und Klarheit. Dies ist Amiálon. Der Anfang allen Seins, die Idee vor jeder Existenz. Doch durch die Idee wird es wahr. So entstand um Amiálon herum etwas, das Sein, Raum - und in diesem Raum bald alle Dinge, die nie zuvor gedacht worden waren. Darunter auch das Leben.
Das Leben - zunächst waren das die Götter, rein in ihrer Gestalt, die den Tod nicht kannten. Ursprünglich viele an der Zahl nannten sie sich -einmal erwacht- "Rôm". Doch bald schon teilten sie sich: Sechzehn von ihnen waren fortan als Denóhm bekannt, während die anderen sich unter dem Namen Astelén zusammenschlossen. Dies ist die Geschichte der Sechzehn Denóhm und der Entstehung unserer Welt.
Bald stellte sich heraus, dass die Sechzehn von unterschiedlichem Wesen waren. Neun von ihnen folgten einer natürlichen Ordnung, einem Plan den sie ersannen und der fortan alles bestimmen sollte. Sie wollten Überblick und Kontrolle, schufen nur neues und vernichteten niemals. Diese nannte man fortan die Ivall. Die sieben anderen jedoch waren das genaue Gegenteil: Sie liebten den Zufall, und hingen dem Gedanken an, dass jedes Sein seinen Wert durch Vergänglichkeit erhält. Sie zerstörten, um Neues zu schaffen und ließen das Geschaffene willkürlich wuchern. Diese nannte man fortan die Ynorgann und beide Gruppen trennten sich im Streit voneinander.
Die Ivall wurden bald danach in das Sein hinfortgeschickt um es in Amiálons Auftrag zu füllen. Und sie gingen und errichteten Ívalame, die Götterhalle. Unvorstellbar groß, ganz aus farbigem Stein und umrankt von Blumen und besungen von Vögeln füllte es die Leere. Dort ließen die Ivall sich nieder und erfreuten sich ihrer Schöpfungen. Entsprechend ihrer besonderen Vorlieben und Künste gaben sie sich Namen:
Da waren Shomár und Leana, Silvar und Iwandah, Minenás und Ellea, Vilan-Sar und Onialié. Der Name der neunten Ivall aber ging verloren und ward nie wieder gehört. So ist die Geschichte der verlorenen Göttin verschollen und keinem lebenden Wesen mehr bekannt, ebenso wie ihr Name. Aus einem längst vergessen Grund werden jedoch noch immer die Alioné, die Silberwölfe, in ihrem Andenken verehrt...
Lange, sehr lange nachdem die Ivall Ívaláme erbauten und das Nichts mit Leben und Schönheit erfüllten, begab es sich nun, dass die Miráhc zu ihnen stießen. Ursprünglich vier, waren sie Halbgötter und von deutlich anderer Art als unsere verehrten Ivall. Sie stammten zur Hälfte von den Ynorgann ab, und so fehlte ihnen das ruhige, majestätische Wesen der Schöpfer allen Lebens. Viel mehr war ihnen das Ungestüme der Ynorgann zu eigen. Sie waren unberechenbar und wild und unbedacht.
Die, die zu den Ivall zogen und fortan bei ihnen zu bleiben gedachten waren diejenigen Folgenden:
Emílor, dem später das Geschenk des Wassers zuteil wurde.
Shilamar, seiner Gefährtin, die damit das Feuer dem Wasser verband.
Límanan, sanfter, der die reine Erde bevorzugte.
Und Elleín, die Wilde, nicht zu bändigende Luftgestalt.
Bald schon eiferten sie den Ivall in ihrer Größe nach - und von diesen unterstützt wurden ihnen kostbare Geschenke gemacht: Die Earaqe Ví, Elementarkugeln, mit jeweils zweien der acht Elemente, die sie befähigten eben diese nach Belieben einzusetzen. Doch aus dem großen Glück sollte großes Unheil erwachsen.
Zunächst aber folgte eine friedliche Zeit und den vier Miráhc folgten bald unzählige andere gleicher Art, die man Díshal nannte. Jene hatten in den folgenden Ereignissen keine Rolle, sollten jedoch das Schicksal der Miráhc am Ende teilen:
Es begab sich nämlich, dass die Miráhc danach trachteten, ihre Meister zu übertreffen und so kamen sie zusammen um ein Werk zu erdenken, welches nie erreicht an Größe, nie übertroffen an Schönheit und nie gedacht an Vielfalt sein sollte: Lym.
Zunächst war die Lym den Legenden nach ein vierzackiger Stern, und an jedem Ende hatte einer der Miráhc seine Halle in der er die kostbare Elementarkugel aufbewahrte, die ihm gegeben wurde. Es war eine gute Zeit: Das weise Volk, welches sie geschaffen hatten, kam zu ihnen um Rat und Freundschaft zu ersuchen, das Leben ging in Frieden seine eigenen Wege und die Macht der Miráhc strahlte über allem. Doch die Ivall entdeckten den Verrat.
Zunächst suchten sie die Miráhc im Gespräch und freundlichen Verhandlungen in ihrer großen Halle dazu zu bewegen, dies Ausmaß an Unverfrorenheit ungeschehen zu machen - doch die Miráhc weigerten sich. Derweil brach unter den Wesen der Lym ein großer Krieg aus: Die Angst vor den größeren, mächtigeren Göttern hatte Zwist gesät und ein Aufstand gegen die Miráhc erfolgte. Daraufhin griffen sowohl die Ivall als auch die Miráhc selbst in diesen Krieg ein und ein ungeahntes Chaos entstand in dessen Folge die erste Lym vernichtet wurde. Legenden zufolge überstand nur ein Fleck Erde diesen verheerenden Krieg vor ewigen Zeiten und befindet sich heute auf unserer Welt: Mina Tar, vergessenes Land.
Die Kluft zwischen den Göttern und den Halbgöttern vergrößerte sich. Ein unheilbarer Zwist schien Ívalame in diesen Tagen zu verdunkeln und die Vögel sangen nicht mehr, der Stein wurde stumpf. Und im Geheimen machten sich die Miráhc, die den Ivall die Schuld am Untergang der Lym gaben, erneut an eine noch größere Aufgabe. Sie erschufen Lym neu. Diesmal jedoch in Form eines hohlen Kegels und größer, sehr viel größer, als es die vorige Lym gewesen war.
Natürlich lies sich solch ein Bauwerk nicht gut verstecken und so forderten sie abermals den Zorn der Ivall heraus. Diese aber hatten gelernt und bereuten die Zerstörung des ersten Werkes schon, da sie doch das Schaffen für die höchste aller Künste hielten und die Vernichtung nicht liebten. So kam es, dass sie, anstatt auch diese Welt zu zerstören und die Miráhc ihrer Hallen zu verweisen, stattdessen die Halbgötter in ihre eigene Welt verbannten, die diese so liebten. Und sie schlossen eine Bannhülle aus Kristall darum, dass die Miráhc nie aus ihrem Gefängnis fliehen und die Macht der Ivall in Frage stellen könnten - Seitdem steht unsere schöne Welt auf einem schwarzen Steintisch in der hellen Steinhalle Ívalame und mahnt die Ivall an die Schöpfung.
Die Miráhc aber wandelten auf Lym umher. Sie schufen erneut das Volk der Weisen, die Li-Adhon, doch der Prunk vergangener Zaitalter stellte sich nie wieder ein. So zogen sie gemeinsam mit den Díshal, die mit ihnen verbannt wurden, bald an einen Ort im Inneren der Lym: Lealé, die letzte Welt, und überließen die Lym dem Lauf der Zeit...


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